Wissenschaft und Glaube – Ein Widerspruch?
Interview mit Prof. Dr. Matthias Kneussel
Der Beitrag gibt die persönlichen Ansichten des Autors wieder und stellt keine offizielle Position des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) dar.
In der öffentlichen Debatte wird oft die Frage aufgeworfen, ob moderne wissenschaftliche Erkenntnisse den christlichen Glauben nicht längst obsolet gemacht oder gar widerlegt hätten. Um dieser Fragestellung auf den Grund zu gehen, lud Pastor Matthias C. Wolff, Hauptpastor der ELIM Hamburg, einen Experten aus der Forschung ein: Professor Dr. Matthias Kneussel, Institutsdirektor am Zentrum für Molekulare Neurobiologie in Hamburg-Eppendorf (UKE). Das vollständige Interview könnt ihr am Ende des Blog-Beitrages lesen.
Der Mensch hinter der Forschung
Matthias Kneussel ist Molekularbiologe und widmet seine Arbeit der Erforschung des menschlichen Gehirns. Sein Team konzentriert sich darauf, die Mechanismen des Lernens und Erinnerns zu entschlüsseln. Im Zentrum stehen dabei die Nervenzellen und ihre Verbindungen, die sogenannten Synapsen. Kneussel erläutert, dass Lernen physische Veränderungen an diesen Synapsen erfordert. Ein wichtiger Teil dieser Forschung ist das Verständnis von Krankheiten wie Alzheimer-Demenz, bei denen diese Verbindungen degenerieren.
Trotz seiner tiefen Verwurzelung in der internationalen Wissenschaftsgemeinde – er berichtet von Fachkongressen mit über 30.000 Teilnehmern – betont Kneussel eine weitere Identität: Er ist gläubiger Christ. Für ihn ist dies kein Widerspruch, sondern eine komplementäre Sicht auf die Welt.
Die methodischen Unterschiede
Auf die Kernfrage, ob die Wissenschaft den Glauben widerlegt habe, antwortet Kneussel mit einer klaren methodischen Unterscheidung. Wissenschaft ist für ihn eine Methode, die auf Messbarkeit, Experimenten und Reproduzierbarkeit beruht. Sie stellt die Frage nach dem „Wie“: Wie funktioniert das Leben? Wie interagieren Moleküle?
Der Glaube hingegen bewege sich auf einer anderen Ebene. Hier geht es um die existenziellen Fragen nach dem „Woher“, dem „Wohin“ und dem Sinn des Lebens. Die Wissenschaft könne per Definition nicht über die Grenzen der Naturgesetze hinausgreifen. Da Gott laut christlichem Verständnis Raum, Zeit und die Naturgesetze selbst geschaffen hat, könne die Wissenschaft ihn nicht „messen“ oder gar widerlegen. Auch die unsichtbare Welt, etwa die Existenz von Engeln, entziehe sich dem Zugriff wissenschaftlicher Instrumente.
Die Schöpfung als Fingerabdruck Gottes
Kneussel sieht die Wissenschaft nicht als Feind, sondern als Hilfe, um Gott in seiner Schöpfung zu erkennen. Er nutzt das Bild eines Schlüssellochs: Ob man durch ein Teleskop ins Weltall oder durch ein Mikroskop in eine Zelle blickt – man sieht die Komplexität des Schöpfers.
Besonders fasziniert ihn die DNA. In der Bibel (Johannesvangelium) heißt es: „Am Anfang war das Wort“. Kneussel zieht hier eine Parallele zur Genetik. Die Erbinformation im Zellkern besteht aus 3,1 Milliarden chemischen „Buchstaben“ (den Basen A, C, G und T). Für ihn ist die DNA ein gigantisches, komplexes Wort, das Gott in jede Zelle geschrieben hat. Es ist für ihn ein Beweis, dass Gott nicht nur geistlich durch den Heiligen Geist wirkt, sondern sich materiell als „Wort“ in das Leben eingeschrieben hat.
Der Anfang des Universums: Physik trifft Bibel
Ein weiteres Beispiel für die Annäherung von Wissenschaft und Glaube sieht Kneussel in der Kosmologie. Bis in die 1920er Jahre glaubte die Wissenschaft (einschließlich Albert Einstein), das Universum sei statisch und habe keinen Anfang. Erst die Entdeckungen von Edwin Hubble zur Ausdehnung des Weltalls führten zur Theorie des Urknalls.
Kneussel pointiert hier: Die Christen hätten dies der Wissenschaft schon lange sagen können, da die Bibel seit Jahrtausenden von einem Anfang der Welt spricht. Während die Physik den Punkt des Anfangs beschreiben kann, endet ihre Kompetenz bei der Frage, wer diesen Urknall „gezündet“ hat oder woher die ursprüngliche Materie stammte. Hier beginnt der Raum des Glaubens.
Konfliktfelder: Evolution und Erdalter
Trotz der Harmonie in vielen Bereichen verschweigt Kneussel mögliche Konfliktzonen nicht.
Die Evolutionstheorie: Kneussel unterscheidet zwischen Mikroevolution (Anpassungen innerhalb einer Art, wie die Mutation von Grippeviren) und der Makroevolution (die Entstehung aller Arten aus sich selbst heraus). Während er Erstere als wissenschaftlich belegt ansieht, kritisiert er Darwins Schlussfolgerung, dass die Ähnlichkeit der Arten einen Schöpfer überflüssig mache. Er nutzt das Beispiel eines Architekten: Nur weil zwei Häuser aus den gleichen Steinen gebaut sind oder ein Vogel und ein Flugzeug beide Flügel haben, bedeutet das nicht, dass sie keinen Konstrukteur hatten. Ähnlichkeit im Bauplan (wie die 98,7 % Übereinstimmung der DNA zwischen Mensch und Schimpanse) sei kein Beweis für die Abwesenheit Gottes.
Das Erdalter: Hier prallen 4,5 Milliarden Jahre (Wissenschaft) auf ca. 6.000 Jahre (jüdischer Kalender). Kneussel verweist auf den Oxford-Mathematiker John Lennox, der den Schöpfungsbericht genau analysiert hat. In Genesis 1, Vers 1 heißt es: „Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde.“ Erst in Vers 3 beginnt die Zählung der Schöpfungstage. Kneussel argumentiert, dass der „Anfang“ vor dem ersten Tag lag und wir nicht wissen, wie viel Zeit dazwischen vergangen ist. Dieser Ansatz könnte den scheinbaren Widerspruch auflösen.
Professor Kneussel hält an der Unfehlbarkeit und Wahrheit der Bibel fest. Er ermutigt dazu, Spannungen und Wissenslücken auszuhalten. Für ihn ist die Heilsgewissheit – das Vertrauen auf Jesus Christus – nicht davon abhängig, ob alle wissenschaftlichen Detailfragen bereits gelöst sind. Die Forschung entwickelt sich weiter, doch die fundamentale Wahrheit Gottes bleibt für ihn bestehen.
Prof. Dr. Matthias Kneussel im Interview mit Pastor Matthias C. Wolff
Kurz erklärt
1. Die Vereinbarkeit von Wissenschaft und Glaube
Kneussel betont, dass er sowohl leidenschaftlicher Wissenschaftler als auch gläubiger Christ („wiedergeboren“) ist. Für ihn schließen sich beide Welten nicht aus, da sie unterschiedliche Fragen beantworten:
Wissenschaft fragt nach dem „Wie“ (Funktionsweise, Messbarkeit, Reproduzierbarkeit).
Glaube fragt nach dem „Warum“ (Sinn, Herkunft, Ziel des Lebens).
2. Wissenschaft als Hinweis auf Gott
Kneussel sieht in der Forschung keinen Widerspruch, sondern eher eine Bestätigung der Schöpfung:
Die DNA als „Wort“: Er zieht eine Parallele zwischen dem Johannesevangelium („Am Anfang war das Wort“) und der genetischen Information im Zellkern. Die 3,1 Milliarden „Buchstaben“ der DNA sind für ihn ein Hinweis darauf, dass Gott sich buchstäblich in das Leben hineingeschrieben hat.
Der Urknall: Er führt an, dass die Physik lange an ein ewiges Universum glaubte, bis Edwin Hubble die Ausdehnung des Weltalls bewies. Dies bestätige im Nachhinein die biblische Aussage, dass die Welt einen zeitlichen Anfang hatte.
3. Umgang mit Konflikten (Evolution & Erdalter)
Es gibt Spannungsfelder – aber auch Erklärungsansätze:
Evolution: Er unterscheidet zwischen Mikroevolution (beobachtbare Anpassungen wie bei Viren), die er bejaht, und der Schlussfolgerung, dass daraus alles Leben ohne Gott entstanden sei. Ähnlichkeiten zwischen Arten (z. B. Mensch und Schimpanse) deutet er nicht zwingend als gemeinsame Abstammung, sondern als Verwendung derselben „baulichen Grundprinzipien“ durch einen Schöpfer.
Erdalter: Zum Konflikt zwischen dem biblischen Alter (ca. 6.000 Jahre) und dem wissenschaftlichen Alter (4,5 Mrd. Jahre) verweist er auf den Mathematiker John Lennox. Da die Erschaffung von Himmel und Erde in der Genesis vor dem ersten Schöpfungstag genannt wird, lasse der Text Raum für einen unbestimmten, möglicherweise sehr langen Zeitraum.
Tipps zum Weiterdenken von Prof. Matthias Kneussel:
You Tube Kanal @WortundWissenYT (Studiengemeinschaft Wort und Wissen)
You Tube Videos von Prof. John Lennox (deutsch und englisch)
Buch von Prof. John C. Lennox “Can Science explain everything?” ISBN 9781784984113 (englisch)
Buch von Dr. Albrecht Kellner “Moderne Physik und christlicher Glaube” SCMVerlag, ISBN 978-3-7751-6152-7 (deutsch)
You Tube Videos von Dr. Francis Collins, früher Director NIH und Leiter des Human Genome Projects
Weitere Literaturhinweise:
Lennox, John 2020. Hat die Wissenschaft Gott begraben? Eine kritische Analyse moderner Denkvoraussetzungen. 9. Aufl. Witten: SCM R.Brockhaus
McGrath, Alister 2008. Der Atheismus-Wahn. Eine Antwort auf Richard Dawkins und den atheistischen Fundamentalismus. 2. Auflage. Asslar: Gerth Medien
Scrivener, Glen 2023. Wie die Luft, die wir atmen. Warum wir alle an Freiheit, Menschen würde und Gleichheit glauben. Dillenburg: Christliche Verlagsgesellschaft.
Das Interview zum Ansehen
SERVICE: DAS VOLLSTÄNDIGE INTERVIEW
Heute geht es um die Frage, hat die Wissenschaft den Glauben nicht schon längst widerlegt? Und da ich ja kein Naturwissenschaftler bin, sondern ein Theologe, habe ich jetzt mal im Interview einen Wissenschaftler eingeladen. Und bitte begrüßt doch mit mir Professor Dr. Matthias Kneuel hier heute bei uns in der Elim.
Ja, Matthias, schön, dass du hier bei uns im Interview bist und uns auch Antworten geben wirst. Du bist ja Institutdirektor in Hamburg Eppendorf am Zentrum für molekulare Neurobiologie. Kannst du uns kurz erklären, was ihr da erforscht?
Ich bin ja von meiner Ausbildung Molekularbiologe. Ich arbeite mit Wissenschaftlern zusammen, um das Gehirn zu erforschen, mit der Frage, wie lernt ein Gehirn, wie erinnert es sich? Und wir fokussieren dabei auf Nervenzellen. Nervenzellen sind ja in Netzwerken angeordnet und sie sind verknüpft über sogenannte Synapsen. Und die Synapsen, die verändern sich während wir lernen. Und diese Veränderung brauchen wir, damit wir uns erinnern können. Und wenn man an so einem Thema arbeitet, ist man ganz nah dran auch am Vergessen. Und tatsächlich degenerieren diese Synapsen auch in Krankheiten wie der Demenz. Die Alzheimer Demenz ist ja ein Beispiel und da versuchen wir zu verstehen, woran liegt das? Können wir Strategien entwickeln, das zu heilen?
Dann hoffe ich ja, dass ihr Erfolg habt, bevor ich älter werde, damit ich nichts mehr vergesse. Also, was würdest du denn schätzen, wie viele Leute auf der Welt das so wissen und können, was du kannst und weißt?
Ja, sind schon sehr viele. Also, wenn man auf einen großen amerikanischen Kongress fährt, da sind da 30.000 Teilnehmer. Es gibt viele. Ich wollte noch mal sagen, ich sitze ja hier nicht nur als Wissenschaftler, sondern ich bin auch ein gläubiger Christ, der wiedergeboren ist und Jesus im Herz hat. Von daher vertrete ich jetzt hier nicht nur die Wissenschaft, sondern auch den Glauben. Und das finde ich ganz wichtig.
Und das ist ja auch unsere interessante Frage, der wir uns heute stellen. Hat die Wissenschaft den Glauben nicht schon längst widerlegt? Das sind ja Argumente oder besser gesagt Vorwürfe, die man mit unterhört, wenn man mit Leuten redet. Und wenn dir Menschen mit solchen Fragen kommen, was antwortest du dann?
Ja, also die Frage ist ja, was ist eigentlich die Wissenschaft? Die Wissenschaft ist ja eine Methode. Sie ist ja in der Lage Dinge zu messen. Also sie macht Experimente, die müssen reproduzierbar sein und sie stellt z.B. die Frage, wie funktioniert unser Leben? Im Glauben stellen wir andere Fragen. Da fragen wir, wo kommen wir her? Wo gehen wir hin? Was ist der Sinn unseres Lebens? Von daher ist das noch mal eine andere Ebene und genau das muss man zusammenbringen. Und die Wissenschaft kann über gewisse Dinge nicht rüber, die im Glauben für uns wichtig sind, die wir auch wissen. Wir wissen ja, Gott hat Raum und Zeit geschaffen, die Naturgesetze. Da kann die Wissenschaft nicht rüber. Sie kann auch nicht messen, dass es z.B. Wesen gibt, die Gott geschaffen hat in der unsichtbaren Welt, wie Engel. Gott hat ja nicht nur sichtbares geschaffen. Die Wissenschaft hat den Glauben nicht widerlegt und sie kann das auch nicht tun.
Kann sie uns denn überhaupt eine Hilfe sein bei der Frage nach Gott?
Also, ich denke schon, die Wissenschaft ist ja sagen wir mal eine Methode, die uns hilft das Leben besser zu verstehen. Die Bibel sagt: “Ja, wir können Gott an seiner Schöpfung erkennen.” Und ich sag mal, wenn man jetzt wie so durch ein Schlüsselloch in ein Teleskop reinschaut, dann sieht man das Weltall und kann das erforschen. Man kann in den Mikroskop schauen und die Mikroteile einer Zelle betrachten und daran kann man Gott erkennen. Ich will mal ein Beispiel machen. Also in unserem Zellkern liegt ja die DNA, das ist ja ein sehr großes Molekül, in das der Code des Lebens geschrieben ist. Unsere Erbinformation. In der Bibel steht ja am Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und Gott war das Wort. In Johannesevangelium im Schöpfungsbericht wissen wir, Gott hat mit Worten geschaffen. Gott sprach und es wart. Also Gott hat Worte ausgesprochen und da ist Materie draus geworden, sagt die Bibel. Und in unserem Zellkern liegt ein großes langes Wort. Das ist – manche erinnern sich – dass man da vier Buchstaben hat. GATC, das sind eigentlich chemische Buchstaben, Basen und wir haben ja in unserem Alphabet 26 Buchstaben. In der DANN hat man nur vier Buchstaben, deswegen sind die Worte entsprechend länger. Wir haben 3,1 Milliarden Buchstaben in unserem Erbinformation im Zellkern liegen. Das ist ein sehr langes
Wort. Und für mich ist es auch ein Beweis, dass Gott nicht nur geistlich in uns lebt durch den Heiligen Geist, sondern sich auch als Wort, er selbst das Wort in uns hineingeschrieben hat.
Und wenn wir jetzt mal an den Anfang denken, den Anfang der Welt, welche Fragen oder welche Antworten könnte die Wissenschaft bei den Fragen nach dem Anfang geben oder wo sind da auch ihre Grenzen?
Da gibt’s gute Beispiele. Also z.B. aus der Physik, da hat man bis in die 1920er Jahre geglaubt, die Welt hat keinen Anfang. Alles war schon immer da und wird immer da sein. Und auch Einstein hat es geglaubt. Der hat eigentlich in seiner Relativitätstheorie errechnet, dass das Weltall dynamisch sein müsste, also entweder schrumpft oder größer wird.
Und dann hat viele Jahre später Edwin Hubble, ein Amerikaner, bewiesen, das Weltall dehnt sich aus.
Und das hat viele Physiker schockiert, weil sie das nicht glauben wollten. Aber das bedeutet dem Umkehrschluss, es muss einen Anfang gegeben haben, weil wenn sich alles ausdehnt und man das praktisch rückwärts denkt, dann muss alles mal auf einem Punkt gewesen sein. Und das haben die Physiker dann den Urknall genannt. Und ähm damit hat die Physik letztlich die Bibel im Nachhinein bestätigt, weil die Christen haben gesagt, wir hätten euch das früher sagen können, das steht doch schon lange in der Bibel, dass die Welt einen Anfang hat. Und die Grenze ist jetzt z.B., dass die Physik darüber nicht raus kann. Die kann nicht fragen, wer hat diesen Urknall gezündet oder wer hat die Materie geschaffen, die da auseinander fliegt.
Ich glaube, das ist so ein Beispiel.
Du bist ja beides Wissenschaftler und Christ. Wo siehst du denn Konflikte zwischen der Bibel und der wissenschaftlichen Forschung?
Ja, es gibt schon große Konflikte. Also, einer ist sicher die Evolutionstheorie, eine andere ist das Alter der Erde. Ich fange mal an mit der Evolution. Wir wissen ja, also Leute, die sich jetzt von uns gegen Grippe impfen lassen, die wissen, wenn ich letztes Jahr eine Impfung bekommen habe gegen Grippe, dann nützt mir die im nächsten Jahr nicht mehr viel, weil das Influenzavirus, das mutiert einfach sehr schnell, verändert sich, dadurch wird es resistent und genau das ist Evolution. Also Evolution beschreibt einfach alle Entwicklungen und Darwin hat damals diesen Mechanismus entdeckt (diese sogenannte Mikroevolution). Und dann ist Darwin aber einen Schritt weitergegangen damals und hat gesagt, weil sich Lebewesen so ähnlich sehen, gibt es auch letztlich die Entstehung aller Arten hat er geschlussfolgert, ist von sich aus entstanden und dafür brauchen wir auch keinen Gott. Und genau da halten die Christen dagegen und sagen, das stimmt so nicht. Ich kann nicht, weil sich Dinge ähnlich sehen, daraus schließen, dass sie zwangsläufig auseinander entstanden sind. Also tatsächlich sehen Dinge sehr ähnlich. Zu Darwinszeiten konnte man das Genom oder die Erbinformation noch nicht entschlüsseln. Heute weiß man, dass wir mit dem Schimpansen zu 98,7% identisch sind. Also, wir haben gerade über die DNA geredet. Die hat 3,1 Milliarden Buchstaben. Also, davon sind wir nur zu 1,3% mit dem Schimpansen auseinander, aber auch nur zu 10 % Maus.
…also von und zu 50% mit der Banane habe ich mal gelesen…
Genau. Also die Tatsache, dass Dinge sich ähnlich sehen oder die Bausteine gleich sind, heißt nicht, es sieht ja auch ein Vogel und ein Flugzeug ein bisschen ähnlich aus. Das liegt daran, beide müssen fliegen können und brauchen so eine aerodynamische Form. Und auch wenn jetzt ein Architekt z.B. viel Häuser baut, dann können die sehr unterschiedlich aussehen, aber die Bausteine sind gleich. Also man muss nicht jedes Mal den Stein oder den Dachziegel neu erfinden, wenn man unterschiedliche Häuser baut. Das ist die Argumentation. Also, wir können nicht automatisch wegen Unterschiedlichkeit daraus schließen, dass wir zumindest keinen Gott brauchen. Ein anderer Konflikt kommt ja noch dazu, das ist die das Erdalter. Das Alter von Materie wird ja über radioaktive Zerfall berechnet und da schließt die Wissenschaft raus, wir haben ein Erdalter von 4,5 Milliarden Jahren und der jüdische Kalender sagt, die Erde ist nicht viel mehr als 6000 Jahre alt. Es ist ein großer Konflikt erstmal und damit hat sich ein Professor in Oxford beschäftigt, der John Lenox ist Mathematiker und der hat dazu ein Buch geschrieben. Und der hat gesagt, jetzt schau doch mal in den Schöpfungsbericht und ich will da draus mal kurz zitieren. Also aus Mose 1 Vers 1. Mose Kapitel 1, dann lese ich jetzt mal aus Vers 3. Da geht’s los. Gott sprach, es werde Licht und es wart Licht. Und Gott sah, das Licht war gut. Und da schied Gott das Licht von der Finsternis und nannte das Licht Tag und die Finsternis Nacht. Jetzt kommt’s da war aus Abend und morgen der erste Tag.
Also in der Bibel ist der erste Tag am auf in Vers 3 geschaffen. Und wenn das chronologisch so stimmt, dann gehen wir jetzt zurück zum Vers 1.
Da steht nämlich: “Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde und die Erde war wüste und leer und Finsternis lag auf der Tiefe und der Geist Gottes schwebte über dem Wasser.” Also da steht: “Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde und das war vor dem ersten Tag. Der jüdische Kalender rechnet seit dem ersten Tag, also ab Vers 4 aus der Bibel 6000 Jahre. Die Wissenskraft sagt jetzt, sie ist viel älter und sagt John Lenox, ja, jetzt guck doch mal, die Erde und der Himmel wurden doch lange vor dem, also wurden vor dem ersten Tag geschaffen. Wir wissen doch gar nicht, wie lang dieser Zeitraum ist. Und das ist eine Frage, ob sich so ein Konflikt irgendwann vielleicht auflöst, weil wir vielleicht andere Erkenntnisse haben, aber ich denke, wir können auch damit leben. Ich will uns Mut machen, auch sowas zuzulassen. Ich meine, wir wissen nicht alles, auch als Christen nicht. Und Gott in seiner Souveränität wird das vielleicht irgendwann eröffnen oder auch nicht, aber das ist nicht für die ist nicht für Heilsgewissheit nicht nötig, sage ich mal. Solche Konflikte gibt es.
Ja, du hast ja darauf hingewiesen, dass es durchaus Situationen oder Erkenntnisse gibt, wo man früher einen Widerspruch vermutet hat und dann festgestellt hat, es ist doch keiner.
Die Forschung entwickelt sich weiter. Auch in der biblischen Forschung haben wir ja auch gelernt, Texte zu verstehen und in ihrer Bedeutung, in ihrem Charakter, ihrer Gattung zu lesen. Also nicht alles, was in der Bibel steht, will ja wissenschaftliche Information sein, sondern es sind ja dichterische Texte, es sind Lobpreistexte, es sind Bekenntnisse, die muss man dann auch nicht immer gleich auf die wissenschaftliche Goldwaage legen.
Ja, also von daher hast du ja deutlich gemacht, diese unterschiedlichen Aussagen beinhalten manchmal Spannungen, aber keine unauflöslichen Widersprüche.
Genau. Aber ich selbst habe natürlich auch in meinem Leben gelernt, die Bibel ist die Wahrheit, sie macht keine Fehler und ich nehme sie auch wörtlich. Aber das ist eine Situation, wo ich sag, ja, das stimmt. Das steht: “Vor dem ersten Tag wurde Himmel und Erde geschaffen.”
Vielen Dank, Matthias, dass du hier bei uns ins Interview gekommen bist. Ein herzlichen Dank an Professor Dr. Kneussel.
